Hausarztzentrierte Versorgung – Ein Überblick

Hausärztliche Versorgung
als Lotse im
Gesundheitssystem.

Was bedeutet hausarztzentrierte Versorgung – und warum gilt eine starke Hausarztpraxis als Schlüssel zu einer besseren, gerechteren Gesundheitsversorgung? Ein sachlicher Überblick zu einem aktuellen Thema.

MS
Dr. med. Marc Schönherr
Hausarztpraxis Köln-Rondorf
Weiterleitung in 80 Sekunden. dr-schoenherr.de →
Aktuelle Entwicklungen

Was die Politik plant.

Die hausarztzentrierte Versorgung steht im Mittelpunkt einer der größten Gesundheitsreformen seit Jahren. Im Koalitionsvertrag 2025–2029 hat die Bundesregierung die schrittweise Einführung eines verbindlichen Primärarztsystems beschlossen – die konkrete Ausgestaltung wird aktuell diskutiert.

Die Bundesregierung plant, die Leistungen der hausärztlichen Versorgung von mengenbegrenzenden und honorarmindernden Vorgaben auszunehmen – um Hausarztpraxen zu entlasten und die Primärversorgung strukturell zu stärken.

Bundestag – Quelle ↗

Studien belegen: HZV-Teilnehmende nehmen Früherkennungsuntersuchungen häufiger wahr, sind öfter geimpft und werden seltener vermeidbar ins Krankenhaus eingewiesen. In Baden-Württemberg nehmen nach 17 Jahren fast zwei Millionen Versicherte teil.

AOK Niedersachsen – Quelle ↗
Hintergrund

Was eine Hausarztpraxis als Lotse leistet.

Das Konzept der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) gibt es in Deutschland seit dem GKV-Modernisierungsgesetz 2004. Der Kerngedanke: Patientinnen und Patienten wählen freiwillig eine Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle, die dann alle weiteren Versorgungsschritte koordiniert – als Lotse im Gesundheitssystem. [DocCheck Flexikon]

Die Lotsenfunktion – auf Englisch „gatekeeping" – hat messbare Vorteile: Hausarztpraxen, die diese Koordinationsrolle übernehmen, reduzieren Fehl- und Überversorgung, verbessern die Präventionsquoten und verhindern, dass Notaufnahmen und Facharztpraxen mit Fällen belastet werden, die dort nicht hingehören. [AOK, 2025]

Bis 2040 werden laut einer gemeinsamen Studie von Bertelsmann Stiftung und BARMER Institut rund 1.300 Hausärztinnen und Hausärzte weniger zur Verfügung stehen als heute – bei gleichzeitig steigendem Bedarf durch eine alternde Bevölkerung. Die Stärkung der Hausarztmedizin ist damit nicht nur eine Frage der Versorgungsqualität, sondern der strukturellen Zukunftsfähigkeit. [Bertelsmann Stiftung, 2025]

Prof. Dr. Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, fasst zusammen: Eine effektive Patientensteuerung beginne mit einer starken, koordinierten hausärztlichen Primärversorgung. Sie schütze vor zu viel und falscher Medizin und ermögliche durch gezielte Überweisungen kürzere Wartezeiten beim geeignetsten Spezialisten. [AOK Gesundheit & Gesellschaft, 4/2025]

„Eine ausreichende Versorgung mit Hausärztinnen und Hausärzten ist wichtig für jede einzelne Kommune. Besonders im ländlichen Raum stärkt das die Zukunftsfähigkeit einer Region – und damit auch das Vertrauen in die Demokratie."
Brigitte Mohn, Bertelsmann Stiftung – Studie zur Zukunft der hausärztlichen Versorgung, 2025
Internationaler Vergleich

Wie Europa das löst.

In 15 von 28 europäischen Ländern ist ein strukturiertes Primärarztsystem bereits fest etabliert. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern ohne flächendeckende Regelung – und blickt nun auf die Erfahrungen seiner Nachbarn.

Niederlande

Das Vorbild in Europa

Alle Bürgerinnen und Bürger sind bei einer Hausarztpraxis eingeschrieben. 94 Prozent aller Fälle werden dort direkt abgeschlossen, nur 6 Prozent an Fachärztinnen und Fachärzte weitergeleitet. Das System gilt international als eines der effizientesten weltweit. [Hausärztliche Praxis]

Registrierung verpflichtend
Dänemark

Freiwillig – mit 97 % Beteiligung

Zwei Tarife stehen zur Wahl: mit oder ohne Hausarztbindung. Ohne Bindung entfällt die kostenfreie Facharztversorgung. Ergebnis: 97 Prozent entscheiden sich für das Hausarztmodell – aus Überzeugung, nicht durch Zwang. [Monitor Versorgungsforschung]

Freiwillig mit Anreizen
Schweden

Primärversorgungszentren

Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten in Primärversorgungszentren mit mehreren Fachkräften – kurze Wartezeiten und breite Versorgung sind das Ergebnis. Gesundheitssoziologen bewerten dieses Modell als eines der zukunftsweisendsten in Europa. [Prof. Wendt, Uni Siegen]

Strukturell integriert
Frankreich

Steuerung über Eigenanteile

Wer ohne Überweisung zum Facharzt geht, erhält nur 30 statt 70 Prozent der Kosten erstattet. Dieses Anreizsystem führt dazu, dass über 90 Prozent der Versicherten freiwillig ihre Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle wählen. [Monitor Versorgungsforschung]

Freiwillig mit Anreizen
Norwegen

Das Listenarztsystem

Jede Person ist fest bei einer Hausärztin oder einem Hausarzt eingeschrieben. Außerhalb der Öffnungszeiten gibt es flächendeckend Notfallzentren. Die koordinierende Rolle der Hausarztpraxis ist damit strukturell fest verankert.

Registrierung verpflichtend
Deutschland

Im Umbruch

Bislang freiwillig und regional unterschiedlich: Rund 10 Millionen Versicherte nehmen heute an der HZV teil. Der Koalitionsvertrag 2025–2029 sieht die schrittweise Einführung eines verbindlichen Primärarztsystems vor – mit Ausnahmen für bestimmte Fachgruppen. [AOK Baden-Württemberg, 2024]

Reform in Vorbereitung
Abwägung

Vor- und Nachteile im Überblick.

Die hausarztzentrierte Versorgung bietet gut belegte Vorteile – und klare Einschränkungen, die offen benannt werden sollten.

Vorteile
Kontinuierliche, persönliche Betreuung durch eine bekannte Praxis
Koordination aller Facharztbesuche – gezielter und schneller
Weniger unnötige Doppeluntersuchungen und Mehrfachbehandlungen
Bessere Prävention und höhere Impfquoten (belegt durch AOK-Studien)
Seltener vermeidbare Krankenhausaufenthalte
Teilnahme ist freiwillig und kostenlos
Einschränkungen
Einschränkung der freien Arztwahl: Fachärztinnen und Fachärzte nur mit Überweisung
Zweitmeinung wird durch den Zwischenschritt erschwert
Bei Verstoß gegen die Vereinbarung drohen Leistungskürzungen der Krankenkasse
Versorgungsqualität hängt stark von der jeweiligen Praxis ab
Mein Ansatz

Qualität statt Vertrag.

In meiner Praxis in Köln arbeite ich nach dem Prinzip der hausarztzentrierten Versorgung – jedoch ohne vertragliche Verpflichtungen. Ich möchte durch Verlässlichkeit und Kontinuität überzeugen, nicht durch Bindungsklauseln.

„Hausärztliche Medizin heißt: den Menschen kennen, nicht nur die Akte."
Dr. med. Marc Schönherr, Köln-Rondorf
dr-schoenherr.de →
Wie ich arbeite
Persönliche Betreuung, die den Menschen kennt – nicht nur die Akte
Koordination von Facharztüberweisungen bei Bedarf
Überblick über Medikation und Therapien
Präventionsangebote & Check-ups
Videosprechstunde möglich
Keine vertraglichen Verpflichtungen